Vergleich: Monster vs. Multistrada

27/06/2014 - Ralf Schröder

Ist das artgerechte Haltung, mit zwei Ducatis nach Schweden zu fahren? Wir machen einen unfairen Vergleichstest in Småland.

“Deine Monster ist doch gar nicht tourentauglich. Ich hab keine Lust, dein Gepäck spazieren zu fahren.” Ich bin muffelig. “Ich kann mein Gepäck selber mitnehmen, dafür brauche ich deine Multi nicht. Außerdem habe ich weniger Gepäck als du!” Wie halt so Gespräche an einem Sonntagmorgen laufen können… Birgit ist vergnazt. Auf ihre kleine Monster lässt sie nichts kommen. Aber ob das die richtige Maschine für eine Fahrt nach Schweden ist? Ich bin mir bei der Multistrada auch nicht sicher: Was soll ich mit 150 PS, wenn die Rennleitung bei Tempo 90 abwinkt?

Wir kennen Schweden gut, sprechen beide Schwedisch: Da werden wir ja wohl passende Straßen für unsere Ducs finden. Und so nebenbei entsteht die Idee, dass wir die beiden ungleichen Maschinen ja mal vergleichen können. Modell 2007 gegen Modell 2010, 800 Kubik gegen 1200, 72 PS gegen 150 PS – wie soll das denn gehen?

Wir nehmen die Nachtfähre von Travemünde nach Trelleborg, das ist für uns der schnellste Weg. Am nächsten Morgen ist Schweden erreicht. Das erste Stück an der Küste ist landschaftlich zwar toll, weil wir immer wieder auf die morgendliche Ostsee schauen können, aber fahrtechnisch wenig aussagekräftig. Viele Ortschaften mit Tempo 50 und die beliebten Schweller zum Abbremsen vor Zebrastreifen. Mit einer Enduro gibt man hier Gas, mit der Monster entlastet man die Handgelenke besser vorher. Der kurze Federweg und die knackige Rückmeldung des Fahrwerks   sorgen für spürbare Schläge. Auch der Enduro-Modus der Multistrada hilft bei diesen Schwellern nicht wirklich weiter. Unentschieden.

Ich verpasse wieder mal den Abzweig zu meinem Lieblingscafé in Skåne. Ein Landcafé mit selbst gebackenem Brot, leckeren Torten und einem schönen Garten. Kurzes, hektisches Winken, dann voll in die Eisen. Eine der einfacheren Übungen für die Multistrada, die vorne exzellente Stopper hat, während die Hinterradbremse ihrer Aufgabe nur widerwillig nachkommt. Für Birgit auf der Monster kein Problem: Die Bremse spricht direkt und mit kurzem Hebelweg an. ABS hat die Monster aus dem Modelljahr 2007 nicht.

Am Nachmittag erreichen wir Småland und die ersten kleinen Waldstraßen. Die Zahl der Kurven nimmt zu, der Fahrspaß auch. Der Asphalt ist ein Flickenteppich, auf der Mulistrada merkt man nichts davon. Dass sich die Geschwindigkeit außerhalb der hier durch Schilder erwünschten Bereiche bewegt, spüre ich auf der Multi kaum. Aber Birgit auf der Monster hat keinerlei Probleme, am Hinterrad zu bleiben. Der 800er Zweizylinder will gedreht werden, muss am Gas hängen. Das haben beide Ducs gemeinsam: Drehzahlen unter 3.500 U/min sind nicht ihr Ding. Nein, kein Ruckeln und an der Kette reißen, aber doch ein deutlich spürbarer Unwille.

Die Monster fühlt sich am wohlsten ab etwa 5.000 U/min, dann hängt sie exakt und willig am Gas. Trotz ihrer “nur” 72 PS fehlt es nicht an Druck und Leistung. Darüber muss man als Treiber einer Multistrada nicht wirklich nachdenken: Ab 4.000 U/min ist genug Druck da, der bis 6.000 U/min stetig ansteigt. Und danach tritt sie Dir so vehement ins Kreuz, dass der Führerschein stark gefährdet ist. Der zweite Gang geht bis 120 km/h, der dritte bis 180 km/, Schluss ist bei 250 km/h. Bleibt nur die Frage: Wozu hat die eigentlich sechs Gänge?

Wir sind in Korrö angekommen, unserer ersten Station. Ein ehemaliges Gut mit Sägewerk, Wasserrad und Speichern. Hier gibt es eine Jugendherberge und eines der alten Gebäude wurde zum Hotel umfunktioniert Die Zimmer sind schlicht, aber das Restaurant ist klasse: eine Terrasse direkt am Fluss und eine sehr gute Küche. Der Abend ist deutlich harmonischer als die kleine Diskussion beim Sonntagsfrühstück. Apropos Gepäck: Birgit hat eine Ortlieb-Tasche hintendrauf und eine Satteltasche links von Ducati montiert. Die hat schon zwei Touren hinter sich und ist an einer Stelle durchgescheuert. Wasserdicht ist sie auch nicht. Das könnte man besser lösen, vor allem bei den Preisen, die Ducati für so ein Täschchen aufruft. Das Thema Gepäck ruft bei der Multistrada nur ein Achselzucken hervor. Für eine Person ist das allemal ausreichend. Ja, es gibt größere Koffer und die schwarz lackierte Gepäckbrücke ist gegen Kratzer empfindlich. Sie hat nach zwei Norwegenreisen bereits etwas Flugrost angesetzt. Aber das war es auch schon an Kritik.

Unsere Tour geht weiter nach Norden, ins småländische Hochland. Wieder haben wir uns einen ehemaligen Herrenhof als ländliches Quartier ausgesucht. Die Zufahrt ist ein Schotterweg. Birgits einziger Kommentar am Abend: Ich brauche keinen Enduro-Modus, das geht auch so mit der Monster. Den kleinen Rutscher des Hinterrads beim Gas geben lassen wir mal außen vor.

Im småländischen Hochland gibt es jede Menge Landstraßen: kuppig, keine Kurve wie die andere. Offiziell Tempo 70, aber hier kräht kein Hahn danach, solange man sich in den Ortschaften zurückhält und auf Wild achtet. Elche tranchieren ist mit beiden Ducatis suboptimal. Zurück am Abend im Herrenhof Wallby sind wir uns endlich einig: Es war eine verdammt gute Idee, diese Straßen mit den Ducs unter die Räder zu nehmen. Und gewonnen haben beide. Weil wir richtig Spaß hatten!

Ralf Schröder

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