Auspuff, Sturzbügel und zu kleines Loch bei der Guzzi

Käpt’n Ölfuß – auf den Trichter gekommen

01/10/2014 - Ralf Schröder

In den Werner-Comics gab es immer eine Figur namens Ölfuß. Ich glaube, das war ein Harley-Fahrer. Als ich noch Harley gefahren bin, hatte ich nie ein Problem mit Öl unterwegs, die hatte null Ölverbrauch. Das änderte sich, als ich auf BMW Boxer umgestiegen bin: 1150 GS, 1150 GS Adventure, 1200 GS und 1200 GS Adventure – im Laufe der Jahre sind hier verschiedene Boxer gelaufen. Im Seitenkoffer war immer ein Liter Öl. Auf jeder Tour wurde nachgefüllt, mal 300 ml, mal 800 ml – je nach Länge der Reise.

Ein BMW-Boxer steht im Moment nicht im Fuhrpark. Trotzdem hat dieses Jahr der Öl-Teufel gleich zwei Mal zugeschlagen. Zuerst in Norwegen bei der KTM 690 Enduro. Am Ölfilter hatte sich eine Dichtung verabschiedet. Murphy will es so: Natürlich passierte das auf einer abgelegenen Schotterpiste oben im Fjell am Wochenende. Zwei Automaten-Tankstellen ohne Service und Öl weiter, fange ich an, mir Sorgen zu machen. Schließlich hat der 690er-Motor nur 1,7 Liter Öl gesamt. Und der Ölfilm imprägniert  den rechten Fuß. Hundert Kilometer Schotter weiter endlich eine Tankstelle mit Service. Öl kaufen und aufatmen: Es fehlen nur 400 Milliliter. Noch mal gut gegangen.

Auf der Schottland-Tour hat mich dann meine Stelvio beglückt. An der Fähre fallen mir ein paar Öltropfen unter dem linken Zylinder der Guzzi auf. Die Ventildeckeldichtung macht schlapp, vielleicht ist sie im Stau bei Hamburg zu heiß geworden. Ein Guzzi-Händler in Schottland auf einem Samstag? Vergiss es. Tropfen lassen, Ölstand kontrollieren und nachfüllen. Zum Glück sind die Fehlmengen gering. Aber es nervt! Linke Fußraste verölt und flutschig, linker Stiefel glänzend, selbst die Socke bekommt einen schwarzen, öligen Schimmer.

Kaffeesatz lesen ist genauer als der Peilstab der Guzzi. Ist sowieso was für zwei Leute: “Das Fahrzeug senkrecht, mit beiden Rädern auf dem Boden halten” steht in der Betriebsanleitung. Halte mal 285 kg gerade und zieh gleichzeitig den Peilstab raus, wisch ihn ab und miss erneut! Da fehlt die dritte Hand. Seit Jahren fahre ich einen gefaltenen Papptrichter spazieren, schließlich hat nicht jede Ölflasche eine Tülle. Aber das Loch bei der Guzzi ist zu klein, ich muss den Arm um den Sturzbügel knoten – und verbrenne mir die Pfoten am Auspuff. Aus einer Trinkflasche schnitzen wir uns einen neuen Trichter, damit geht es halbwegs. Wer konstruiert eigentlich solche kleinen Einfüll-Löcher? Ich hab ja ein Faible für klassische Technik, ich verzeihe abvibrierte Teile – aber so eine beknackte Fehlkonstruktion lässt mich die Kinderstube mal kurz vergessen: Öl einfüllen muss doch auch unterwegs möglich sein! Kann mal jemand die Techniker in Mandello del Lario auf den Trichter bringen?

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Ralf Schröder
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